U-VERLAGERUNGEN

Gegen Kriegsende wurden mit Hilfe der Organisation Todt für einzelne besonders wichtige Rüstungsbetriebe große Anstrengungen unternommen, die Produktion in unterirdische Produktionsstätten zu verlagern, was für Zwangarbeiter oftmals eine weitere Härte bedeutete. Auch dafür lassen sich verschiedene Beispiele in Wuppertal finden.

Hier die U-Verlagerung KALKSTEIN in Elberfeld



1944 wurde damit begonnen,für wichtige Rüstungsbetriebe UNTERIRDISCHE PRODUKTIONSSTÄTTEN zu schaffen. Diese Anlagen wurden mit einem Decknamen versehen. (WICHERT).
Diese Decknamen hat man in unterschiedliche Kategorien gepackt, die Namensgebung war abhängig von der Art der Anlage.
* Schachtanlagen (TIERNAMEN)
* Stollenanlagen (FISCHNAMEN)
* Eisenbahn- und Straßentunnel (VOGELNAMEN)
* Festungswerke (PFLANZENNAMEN)
* natürliche Höhlen (MÜNZNAMEN)
* Neubauten von Stollen und Tunnelanlagen (MINERALIEN)


So richtete die OT den Linderhauser Tunnel ( 935m) zwischen Schwelm und Gevelsberg für die Fa. Espenlaub her, Deckname MEISE. Ein Gleisstrang wurde zubetoniert, den anderen nutzte man für den An- und Abtransport von Flugzeugen, Material und Arbeitskräften.Ein weiterer Tunnel war wohl auch für Espenlaub vorgesehen, wurde aber entweder nicht fertiggestellt oder anderweitig benutzt, der Präsident-Hoeft-Tunnel in Schwelm, Deckname FALKE.
Ebenfalls für Espenlaub wurde an einem unbekannten Standort die Anlage BLUTSTEIN (Ehrenberg) errichtet.

Kommen wir nun zur Produktionsstätte SCHEE-TUNNEL Deckname KAUZ ( 721 m ), die für die Vohwinkeler Herdfabrik Homann auf der Strecke von Wichlinghausen nach Sprockhövel hergerichtet wurde. Dafür wurde 1944 die östliche Tunnelröhre des Doppeltunnels stillgelegt. Die Fa. Homann richtete hier ein Ausweichwerk für die Produktion von Rumpfspitzen des Messerschmitt Düsenjägers ME 262 ein. Die Baracken für die Russischen Zwangsarbeiter befanden sich weiter nördlich vom Tunnel entfernt. Ebenso die Baracken der OT.Auch andere Firmen sollten unterirdisch verlagert werden. Dafür wurden natürliche Höhlungen oder ehemalige Stollen genutzt.Es wurden unter besonderen Umständen auch Neubauten errichtet.Für die Elberfelder Firma Metzenauer & Jung wurden in Beyenburg I und II (Brauereikeller Beyenburg) unter dem Decknamen SARDELLE errichtet.Ob die Firma dort je produziert hat, ist unklar bzw. ob die Anlage fertig gestellt wurde. Hergestellt werden sollten R-Geräte für die Anlagen FREYA, WASSERMANN M und JAGDSCHLOSS und das Gerät EIBSEE.
Bei der Firma Wicküler , wo auch die Ostarbeiter der Brauerei lebten, wurde TRUSCHE errichtet und fertig gestellt. Fotos einer Anlage von innen weiter unten.
Wer diese Anlage nutzen wollte ist auch unklar. In Vohwinkel wurde BERNSTEIN gebaut. Standort und Nutzung auch nicht bekannt.
In der näheren Umgebung Wuppertals befanden sich die Anlagen KYROLIT (Haßlinghausen), SCHWERSPAT (Gevelsberg), EICHELHÄHER (Asbeck, Gevelsberg) und GIPS (Heiligenhaus)
Auf der Bahnstrecke von Schwelm nach Gevelsberg wurden noch andere Bauten zur Aufnahme bombensicherer Produktionsanlagen fertiggestellt bzw.begonnen: BUCHFINK ( Silscheder Tunnel )für die Firma Hansen & Co in Münster, ebenfalls für Hansen & Co war der Klosterholzer Tunnel bei Gevelsberg bestimmt unter dem Decknamen GOLDAMMER. Hansen war wie Espenlaub Flugzeugreparaturwerk.
All diese Anlagen wurden mit Hilfe von Zwangsarbeitern errichtet, all diese Anlagen waren für den Einsatz von Zwangsarbeitern bestimmt. Bei Espenlaub sollten 1000 Personen in MEISE arbeiten, im KAUZ von Homann 400 Ostarbeiter.
Wie man sieht, hat Wuppertal eine sehr dunkle Geschichte. Leider sind alle Angaben spärlich. Recherchen sind meist immer erfolglos. Zeitzeugenarbeit und das Militärarchiv Freiburg oder das Imperial War Museum London verfügen über noch vorhandene Dokumente, die diese Grausamkeit belegen.

Geheime Rüstungsproduktionen in Form von Luftschutzstollen oder Reichsbahntunneln in der Stadt Wuppertal...

 U-Verlagerungen in Luftschutzstollen

Deckname Trusche




Eine U-Verlagerung, mitten in der Stadt von Elberfeld, war für einige Zeit offen. Wir haben sie befahren und vermessen. Auffallend war das wunderschöne Deckengebirge und die lange Strecke mit den an beiden Seiten befindenen sogenannte Rampen. Wahrscheinlich wurde diese Anlage auch als Brauereikeller später genutzt.


Die U-Verlagerung "Trusche" ist eine Anlage der Firma Wicküler gewesen, die einigen Ostarbeitern in der Brauerei Unterkunft gewährte. Wer diese  OT- Anlage benutzen sollte ist unbekannt. Ob sie fertiggestellt wurde ist unklar. Nur sicher ist, daß hier gearbeitet wurde.



Es befanden sich eindeutige Beweise dafür, daß in dieser U-Anlage gearbeitet wurde. Überall fanden sich Relikte aus vergangener Zeit. Marode Latrinenanlagen, Fallschirmbänder, Uniformknöpfe, Lederstücke, Reichspfennige und auch einige Haarspangen, die mehr als alt waren. Hier haben wohl Zwangsarbeiter Fallschirmbänder produziert. Das 3. Reich hautnah, hat einem schon ein mulmiges Gefühl aufkommen lassen. Die Anlage Trusche soll angeblich noch 3 weitere Objekte haben. Trusche 1-4. Für mich einer der schönsten OT-Stollen. Weitgehend ohne Müll. Lediglich im Eingangsbereich befand sich ein wenig Unrat. Die Anlage ist mittlerweile zugemauert.


U-Verlagerungen in Reichsbahntunneln

Deckname Meise



Die Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Meise" (oder auch "Meise 1") befand sich in einem Reichsbahntunnel bei Schwelm im Bergischen Land. Genauer gesagt waren, beziehungsweise sind es zwei Tunnel, die parallel durch den Linderhausener Berg von Süden nach Norden (und umgekehrt natürlich auch) verlaufen. Die beiden Eisenbahntunnel stehen im standfesten Gebirge, welches sich überwiegend aus Grauwacken und Kalksteinschichten zusammensetzt. Die Überdeckung im mittleren Tunnelbereich ist mit über 60 Metern mehr als ausreichend für eine bombensichere Produktionsstätte. Besonders deutlich wird die Kalksteinschicht am Südportal des Westlichen Tunnels. Dort befindet sich in der ersten Ausweichbucht (AB) das Mundloch der Schwelmer Tunnelhöhle, einer kleinen Wasserführenden Naturhöhle (Ponorhöhle), welche zufällig beim Tunnelbau angeschnitten worden ist. In dem Östlichen Tunnel befindet sich ebenfalls eine kleine Höhle, die auf den Namen "Lehmhöhle" hört. Siehe unten rechts das kleine Loch


 
Der östliche Tunnel (Linderhausener Tunnel) hat eine Länge von 935 Metern und beherbergte das Herzstück, die eigentliche Produktionsstätte der Anlage Meise. Der westliche Tunnel (Schwelmer Tunnel) ist etwas kürzer (742 Meter) und diente der U-Verlagerung als Bahnhof für die Arbeiter und als Bombensichere Verladestation für das Material und die Flugzeuge. Der Umbau des Reichsbahntunnels zur unterirdischen Rüstungsfabrik begann im Sommer 1944. Das Projekt "Meise 1" gehörte zum Jägerstab und war ein sogenanntes A-Projekt. Der Jägerstab war für die bombensichere Unterbringung von Flugzeugfabriken zuständig und ein "A-Projekt" war die Untertage-Verlagerung in ein schon bestehenden unterirdischen Hohlraum, wie zum Beispiel Bergbaustollen, Bunker und eben Reichsbahntunnel. Oberaufsicht und Leitung des Projektes "Meise 1" hatte wie bei fast allen Untertage-Verlagerungen die Organisation Todt (OT), welche die Planung übernahm und die Zwangsarbeiter beschaffte, die die Umbauarbeiten durchführen mussten. Die Gleise und das Schotterbett wurden entfernt, der Boden wurden betoniert damit die Maschinen einen sicheren und festen Stand hatten. Unter der Firste wurde über die gesamte Länge des Tunnels ein Schwerlastkran installiert, an dem die Flugzeuge und Teile wie am Fließband zu den einzelnen Stationen im Tunnel gebracht werden konnten. Ausserdem wurden die an der Tunnelwand liegenden Wasserrinnen verrohrt und an beiden Enden des Reichsbahntunnels ein Gebläse zur Bewetterung der U-Fabrik errichtet.


Die Firma Gottlob Espenlaub aus Wuppertal-Langerfeld bezog noch während der Umbauarbeiten den Tunnel und begann am 23.10.1944 mit dem Betrieb in diesem, neuen bombensicheren Ausweichwerk. Die Tunnelportale wurden übrigens nicht wie üblich zugemauert. Die interne Bezeichnung für die U-Verlagerung Meise in der Flugzeugbaufirma Espenlaub war "Werk 4" oder "Ausweichwerk 1". Die Firma Espenlaub Flugzeugbau war neben den Firmen Homann, Vorwerk, Jäger und I.G.Farben eine der grössten Rüstungbetriebe in Wuppertal mit drei oberirdischen Werken und ebenfalls drei unterirdischen Produktionstätten:

Werk1 - Spitzenstrasse
Werk 2 - am Langerfelder Güterbahnhof mit eigenem Flugplatz
Werk 3 - Schwelmer Strasse
Werk 4 - U-Verlagerung Meise in Schwelm (dieser Bericht)
Werk 5 - U-Verlagerung Falke (Reichsbahntunnel Präsident Höft)
Werk 6 - U-Verlagerung Blutstein ( Stollenneubau im Ehrenberg)




Etwa 1000 Arbeiter arbeiteten im Schnitt im Ausweichwerk 1. Gegen Ende des Krieges stieg die Zahl sogar auf 2000 Arbeiter, welche in gleichen Teilen aus Mitarbeiter der Firma Espenlaub und Zwangsarbeitern bestand. Rund 100 Flugzeuge, hauptsächlich vom Typ Focke-Wulf (Fw190) wurden pro Monat in "Meise 1" repariert oder ausgebessert. Die Arbeiter wurden jeden Morgen mit dem Zug von den Baracken in Wuppertal-Langerfeld zur Untertage-Verlagerung gebracht. Auch die Mittagspause wurde geschützt vor Bomben im Tunnel abgehalten. Der Betrieb hielt noch bis zum Ende des Krieges an, bevor die Amerikaner die Stadt Schwelm erreichten und dem Treiben ein Ende setzten.



Heute erinnert nur noch wenig an das einstige Treiben in den Tunneln. Beide Tunnel wurden nach dem Krieg wieder für den Eisenbahnverkehr hergerichtet und genutzt, wobei der Schwelmer Tunnel heutzutage wieder stillgelegt ist. Im Tunnel selber findet man heute immer noch Verschnittmaterial der Tragflächen und andere Kleinigkeiten wie Werkzeug und Späne. Der Schwelmer Tunnel mit seinen schönen verzierten Portalen kann also ohne Gefahren erkundet werden und die Schwelmer Tunnelhöhle ist eine echte Herausforderung für wagemutige und erfahrene Speläologen. (gut schluf...)
Durch den Linderhausener Tunnel fährt heute noch die S8 nach Hagen, was die Befahrung zur einer gefährlichen Angelegenheit macht. Ausserdem ist es Verboten!!!!!!!!!

(Text Eismann für Dany/Wuppertal-Untertage (WUT), 2008 unter Mithilfe von Schwelmer-Bernstein...)






U-VERLAGERUNG KAUZ
SCHEE-TUNNEL

vergessene Geschichte !





U-Verlagerung Kauz
Aus dem Decknamenverzeichnis:
Name und Ort: Schee-Tunnel Hattingen
Verfügbare Fläche: 3.300 qm
Firma: Homann-Werke, Wuppertal Vohwinkel
Produkt: Rumpfspitze Me 202
Bemerkungen: gesperrt



Der Scheetunnel ist ein 722 Meter langer, zweiröhriger Eisenbahntunnel an der stillgelegten Bahnstrecke Wuppertal-Wichlinghausen–Hattingen. Er verbindet Sprockhövel-Schee mit Wuppertal-Nächstebreck.



Der Tunnel unterquert die Straße Mollenkotten an der Stadtgrenze von Wuppertal und Sprockhövel.Die beiden Röhren haben eine Höhe von 5,50 Metern und eine Breite von 5,10 Metern (westlicher Tunnel) bzw. 4,90 (östlicher Tunnel). Der westliche Tunnel wurde im Jahre 1884 fertiggestellt. Die Weströhre des Tunnels wurde am 20. Mai 1884 als Bestandteil der normalspurigen, eingleisigen Kohlenbahn von Barmen, heute ein Stadtteil von Wuppertal, über Sprockhövel nach Hattingen eröffnet. Eine zweite Röhre östlich davon datiert laut einer angebrachten Jahreszahl auf 1902 und zeugt von den nie realisierten Plänen eines zweigleisigen Ausbaus der Bahnstrecke. 1984 wurde der Tunnel nach hundertjähriger Nutzung mit der Bahnstrecke stillgelegt.

Hier eine Aufnahme von 1967

Schee-Tunnel in den 70ern



FOTO VOLKER BORCHERT

Kauz vor 2 Jahren



Während des zweiten Weltkriegs verlagerte man zunehmend kriegswichtige Industriebetriebe unter die Erde, um sie vor Luftangriffen zu schützen. Diese so genannten U-Verlagerungen bekamen je nach Art des genutzten Objektes unterschiedliche Tarnnamen. Für Eisenbahntunnel waren Vogelnamen reserviert und so wurde der Scheetunnel als U-Verlagerung Kauz geführt.






1944 erhielte die Herdproduktionsfirma Homann-Werke aus Wuppertal ein zusätzliches Ausweichwerk mit dem Decknamen KAUZ im sogenannten Schee-Tunnel an der Eisenbahnlinie Wuppertal-Oberbarmen-Hattingen. Anfang 1944 wurde die Homann-Werke in das sogenannte "Jägerprogramm" aufgenommen und die Produktion auf die Fertigung von Teilen der Messerschmitt ME 262 umgestellt.

Um das Fertigungsvolumen realisieren zu können, mußten während der laufenden Produktionen umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt werden. Nach einer Bauzeit von etwa 3 Monaten konnte die Firma Homann aus Wuppertal-Vohwinkel im August 1944 mit ihrer Arbeit beginnen. 400 Zwangsarbeiter mußten dort arbeiten. Man sieht heute noch ein paar Betonreste, Kabel, verostete Metallteile und Reste von Ventilatoren für die Lüftung aus der Produktionszeit.



 In den beiden Verbindungsgängen und den angeschlossenen Räumen zwischen den beiden Tunneln befanden sich die Büros und die Küchen der Fabrik. Die beiden Räume zwischen den Tunneln befinden sich jeweils etwa 100 Meter vom Eingangsportal entfernt im Tunnel. Im Gegensatz zu den anderen U-Verlagerungen in Reichsbahntunneln hier in der Stadt , beweist der Kauz mit einigen Relikten aus vergangenen Tagen mehr noch ein Stück sichtbarer Vergangenheit.







Was geschieht heute?





Schlechte Nachricht: Er ist komplett zu. Man kann weder von vorne rein, noch von der anderen Seite. Es wurde gerodet links und rechts und mit Schotter verlegt. Warum? Die Naturschutzbehörde hat ihn verschlossen, drinnen wurde rumgebohrt und Kabelkanalabdeckungen liegen verstreut rum . Müll oder Grafittis ist man ja von anderen Tunneln schon gewöhnt, aber im Schee-Tunnel selber, wurde mutwillig rumgeforscht, gesucht, gebohrt und demontiert. Das macht mich wütend, denn das sagenumwobene "Bernsteinzimmer" daß in den Wuppertaler Medien vor einiger Zeit Gespräch war, und auch jetzt im November 2009, hat wohl für Furore gesorgt und einige Neugierige oder Bernsteinzimmerforscher selber Hand anlegen lassen.


Tunnel sind immer ein Eldorado für harmlose Fotografen, Geschichtsinteressierte oder einfach nur Spaziergänger, die Zeiten sind nun vorbei. Wegen Fledermäuse wurde er vergittert. Auch im Sommer???? Nur gibts dort keine. Dann müßte die Behörde ALLE Tunnel dicht machen, wenn dies so wäre. Ich würde mir eine Geschichtstafel am Schee-Tunnel wünschen, anstatt ein "Betreten verboten" oder "Naturschutzzgebietschild". Beides in Kooperation mit der Naturschutzbehörde sagt mir zu. Im Sommer Führungen anbieten, im Winter schließen. Daran denkt keiner. Ihn auch noch zu asphaltieren, zu beleuchten ,daß wäre noch viel unvorstellbarer für mich und ein Mißbrauch von einem historischen Objekt. Es bestehen ja im Rahmen des Radverkehrsnetzes NRW konkrete Planungen, den auf der Bahntrasse zwischen Hattingen und Schee angelegten Radweg durch den Tunnel auf Wuppertaler Stadtgebiet fortzusetzen, falls die sich anschließende Wuppertaler Nordbahn auch zu einem Radweg umgebaut wird. Durch den Verein Wuppertalbewegung ist eine Realisierung aufgrund eines tragbaren Finanzierungskonzepts wahrscheinlich geworden. Der Anknüpfung an den Von-Ruhr-zur-Ruhr-Radweg stünde dann nichts mehr im Wege. Der Scheetunnel wäre der letzte Tunnel, der zum Radweg ausgebaut werden soll.


Und was sagt die Naturschutzbehörde:


Die Kreisgruppe Wuppertal im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich kritisch zur aktuellen Diskussion zum Thema "Nordbahntrasse" und den daraus resultierenden Folgen vor allem für die Fledermäuse geäußert.
In einem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Peter Jung, weist der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe, Jörg Liesendahl, darauf hin, dass bislang noch wenig Anzeichen für einen sachgerechten Umgang mit den Tier- und Pflanzenvorkommen an der Nordbahntrasse vorliegen.
Der Diplom-Biologe kritisiert, dass der Vorsitzende der Wuppertal-Bewegung, Dr. Carsten Gerhardt, in den vergangenen Wochen wiederholt vorgeschlagen habe, Kartierungen und Gutachten zu wertvollen Arten und Biotopen entlang der Trasse selbst zu erstellen: "Seit wann erstellt denn ein Vorhabenträger Gutachten in eigener Sache mit der notwendigen Unabhängigkeit? Damit würde doch das ganze positiv zu sehende Vorhaben juristisch angreifbar!"
Bedauerlich, so der BUND-Vorsitzende weiter, ist die Tatsache, dass "aufgrund der öffentlichen Äußerungen von Herrn Gerhardt neuerdings Hinz und Kunz im Schee-Tunnel (und ggf. auch in anderen Tunneln) auf die Suche nach Fledermäusen geht und damit mal eben die Artenschutzgesetze aushebelt und die Fledermäuse selbst in Gefahr bringt."
Ein Beispiel finde sich auf der Homepage der Wuppertal-Bewegung im "Gästebuch" mit dem Eintrag eines "Höhlenkundlers" und selbsternannten "Fledermaus-Experten": "Ich war interessehalber letztes Wochenende im Schee'er Doppeltunnel. Ich habe beide Tunnels begangen und in jede Nische und Ritze geleuchtet. Ich will nicht behaupten, daß dort keine Fledermäuse sind, aber zu sehen war nicht eine. (...) Für eine sichere Bestandsaufnahme sind aber eine Vielzahl von Begehungen / Beobachtungen notwendig. Wenn unser Verein diesbezüglich (ehrenamtlich) helfen kann: Kontakt: www.akkh.de J. K. AKKH e.V" (Name gekürzt!)

Hier das Portal von hinten...Sprockhöveler Seite - auch vergittert



Jörg Liesendahl dazu: "Das Artenschutzrecht besagt eindeutig, dass bereits die Störung von Lebensstätten geschützter Arten untersagt ist. bzw. nur mit Sondergenehmigung erfolgen darf." Der emsige Fledermaus-Sucher habe "also einen vorsätzlichen Verstoß gegen das Artenschutzrecht begangen, dessen er sich auch noch in aller Öffentlichkeit brüstet."
Liesendahls Aufforderung an der Oberbürgermeister ist unmissverständlich: "Ich erwarte, dass hier ebenso wie im Falle der gerodeten seltenen Pflanzen ein Verfahren gegen Herrn K. eingeleitet und ein deutliches Bußgeld verhängt wird, damit endlich das Artenschutzrecht durchgesetzt werden kann."
Und weiter: "Der "Fledermaus-Tourismus" im Schee-Tunnel macht deutlich, dass die möglichen Zugänge unverzüglich und nachhaltig zu verschließen sind. Ich möchte Sie bitten, Ihre ULB mit der kurzfristigen Durchführung einer Vergitterung zu beauftragen und sich zugleich auch bei Ihrem Kollegen im Ennepe-Ruhr-Kreis für eine Schließung des Tunnels am Ausgang Schee einzusetzen. Selbstverständlich ist damit nicht verbunden, dass grundsätzlich schon ein Präjudiz gegen die Anbindung an die Ruhr-Radwege geschaffen würde."

Liesendahl weist aber darauf hin, dass gerade der Schee-Tunnel und der dahinter liegende ehemalige Bahnhof Schee (Geschützter Landschaftsbestandteil) so nachhaltig schützenswert seien, "dass es mir sinnvoll erscheint, frühzeitig auch über eine Lösung ohne die Querung des Tunnels nachzudenken."

Der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Wuppertal bittet in dem Schreiben den Oberbürgermeister, sich insgesamt für eine Mäßigung einzelner Kräfte in der Wuppertal-Bewegung im Hinblick auf das öffentliche Auftreten in Sachen "Naturschutz" einzusetzen: "Derzeit wird hier eine Drohkulisse gegenüber dem Naturschutz (in diesem Falle dem von Ihnen vertretenen hauptamtlichen Naturschutz!!) aufgebaut, die dringend zugunsten eines Dialogs beseitigt werden muss."

"Ich bin sicher, dass eine Vielzahl der ehrenamtlichen Naturschützer in Wuppertal dem Projekt "kritisch wohlwollend" gegenübersteht. Ich kann aber nicht garantieren, dass dieses Wohlwollen bei einer Fortführung der aktuellen Drohgebärden nicht langsam aber sicher schwinden wird.", so der BUND-Experte abschließend.
Ein Video von der Lokalzeit Bergisches Land:

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2009/02/06/lokalzeit-bergisches-land-fledermaus.xml

In der WZ 20.3.07

Schee/Wuppertal. „Mit Interesse und Wohlwollen“, so heißt es offiziell, wird auch beim Regionalverband Ruhrgebiet das Bestreben der Wuppertal Bewegung registriert, die ehemalige Nordbahntrasse in Wuppertal für Fahrradfahrer herzurichten und an den Tunnel nach Schee heranzuführen.

Gerade hat die Bürgerinitiative gemeldet, dass durch Spenden der Firmen W&T und Cleff von zusammen 100 000 Euro für die nächsten fünf Jahre genug Eigenmittel da sind, um die Heranführung vom ehemaligen Bahnhof Wichlinghausen an den Tunnel zu gewährleisten.

Der Lückenschluss an das attraktive Ruhrradwegenetz wäre damit ebenso greifbar, wie der bequeme Weg aus Westfalen nach Wuppertal und ins Rheinland.

„Das war vor 17 Jahren bereits unsere Idee“, sagt Heinrich Jolk Projektleiter Radwegebau beim RVR. So weit, dass jetzt der RVR bereits Mittel beantragen würde, um auf Sprockhöveler Seite die 500 Meter vom existierenden Radweg am Bahnhof Schee bis an den Tunnel heranführen zu können, sei es aber noch nicht, erklärte er.

„Unsere Prioritäten liegen derzeit im Ausbau des Weges an die Ruhr heran. Das haben wir mit den fünf beteiligten Städten des Ennepe-Ruhr-Kreises ganz klar so festgelegt“, so Jolk.

Er verweist auch auf die Zeitschiene. „Das wird auch auf Wuppertaler Seite sicher nicht von heute auf morgen gehen. Grundsätzlich sind wir bereit, das Vorhaben planerisch zu unterstützten.“ Dass man den Tunnel, der nur auf 200 von 900 Metern Gesamtlänge auf Sprockhöveler Gebiet liegt, nicht selbst in Angriff nehmen werde, sei allerdings klar.

Da seien die Wuppertaler am Zuge, schließich müsse später auch die Unterhaltung des Tunnels geregelt werden. Wie schwierig so etwas sein kann, bekommt Jolk gerade in Hattingen vor Augen geführt, wo es in Gesprächen zwischen RVR und Stadt um die Unterhaltung des „nur“ 265 Meter langen Schulenbergtunnels geht, für den bereits Landesmittel bewilligt sind.
Wuppertal Bewegung und RVR müssen an einen Tisch

Jolk: „Grundsätzlich müssen erst einmal alle Beteiligten an einen Tisch, das kann nur in der Gemeinschaft geregelt werden.“ Bisher hat es nur ein Gespräch mit der Wuppertal-Bewegung gegeben, die ihr Projekt vorstellte und um Unterstützung des RVR warb.

„Früher wurde immer gesagt, Wuppertal muss erst einmal die Heranführung an den Tunnel gewährleisten, da sind wir jetzt in einer guten Verhandlungsposition“, sagt deren Vorsitzender Carsten Gerhard.

Die Stadt Sprockhövel ist bisher noch nicht in Gespräche einbezogen. „Wir würden es natürlich begrüßen, wenn es zur Anbindung kommt“, sagt Wirtschaftsförderer Detlef Merken. „Eine finanzielle Beteiligung zum Ausbau des Tunnels aber sei sicher kein Thema.

Ob die Stadt sich eventuell an der Unterhaltung beteiligen könne, darüber müsse man erst reden.

Ich kann nur den Kopf schütteln und hätte eine bessere Lösung. Tafel anbringen, die die Geschichte des Tunnels erzählt, Denkmalschutz für den Schee-Tunnel - aber wieder zugänglich machen, historische Führungen veranstalten (in manchen Tunneln der Stadt wird ja Kultur groß geschrieben (Tanztunnel oder Kino im Tunnel). Und evtl. in der Fledermausschutzzeit wieder verschließen um auch den Tierschützern gerecht zu werden. Das ist alles vieeeeel kostengünstiger, und alle können sich daran beteiligen mitzumachen. Ich bin gerne bereit das zu unterstützen.
So und nun für alle noch einmal schöne Innenaufnahmen aus vergangenen Zeiten für diejenigen, die noch nie den "Kauz" betreten haben.






Wenn der Tunnel 7-stöckig wäre, wie behauptet, warum fließt das Wasser nicht ab in die unteren Stockwerke?



BEMERKUNG:

Wuppertal-Untertage hat Denkmalschutzprüfung für den Tunnel-Schee beantragt, im Eilverfahren !



auch schöne Fotos gibts unter folgenden Links:

http://daniel.urbanex.de/bilder/scheetunnel/

http://railtrash.fotopic.net/c1465759.html

http://www.tanktraxx.com/scheetunnel.php