U-Verlagerung Schwalbe 1 Deckname "Eisenkies"



Das unterirdische Hydrierwerk im Hönnetal
Vorhaben: Schwalbe I
Betreiben Firma: Rhein-Braun Union, Wesseling
Standort: Kalksteinwand Oberrödinghausen/Sauerland
Deckname: Eisenkies
Stollenfläche: 25000 m²
Planbearbeitung: Mineralölbaugesellschaft
Baudurchführung: OT-Einsatzgruppe Hansa
Bemerkungen: In Stufe 1: 7500 Monatstonnen Steinkohlenteer oder 12500 Monatstonnen Braunkohlenteer als Produkteneinsatz. In Stufe 2: 7500 Monatstonnen Steinkohlenteer oder 12500 Monatstonnen Braunkohlenteer als Produkteneinsatz.
Wetterstollen Hauptzufahrt mit herumliegenden Lutten
Hinter diesem 7 Meter langen "Brecher" befindet sich noch ein 44 Meter langen Blindstollen von 10,30 Meter Breite und 4,50 Meter Höhe.

Schwalbe 1
Die Untertageverlagerung Schwalbe 1 Deckname "Eisenkies" war eines der größten geheimen Bauprojekte im Rahmen des Geilenberg-Programms im Lennegebirge. Das hügelige, waldreiche Mittelgebirge Sauerland ist eines der schönsten Landschaften Deutschlands. Aber auch ein Ort der Grausamkeit. Im westlichen Teil liegt die Hönnetal-Region. Ende 1944 wurden von der nationalsozialistischen Führung im Steinruch Emil 1 in Oberrödinghausen, die überdimensionalen Stollen für das Projekt Schwalbe 1 in den Fels geschlagen.Hier sollten Hydrierwerke zur Sicherung der Benzinbedarfs untergebracht werden. Innerhalb von 6 Monaten wurden 1,5 km Stollen in den Berg getrieben. Diese Stollen waren bis zu 1.000 Meter lang und im Innern zu gewaltigen Höhlen erweitert worden, in denen Eisenbahnzüge verkehren konnten .Der Hauptstollen ist 15 m breit und 10 m hoch, die Ausbrüche für die Maschinen teilweise noch viel größer.
Verbindungstollen zu den Kammern
Im Vorfeld wurde der Standort sorgfältig von Geologen und Sachverständigen der Organisation Todt, die auch im Verlauf des Ausbaus die Oberbauleitung und Aufsicht über das Vorantreiben des Stollensystems behielt, auserwählt. Bauherr war die Firma Rheinbraun-Braun-Union Wesseling, die in der Stollenanlage ein Hydrierwerk zur Treibstoffherstellung und ein Dehydrierwerk zur Herstellung von Kerosin errichten ließ.
Zwangsarbeit
Die Arbeit wurde von etwa 10.000 KZ Häftlingen verrichtet, die im Lager Bibertal zusammengepfercht wurden. Die für den Stollenvortrieb eingesetzten Arbeitskräfte wurden mit der Reichsbahn herantransportiert. Sie stammten aus Arbeitslagern, Zuchthäusern und Sammelunterkünften. In einem Steinbruch in der Nähe des Bahnhofs Balve-Sanssouci errichtete man ein neues Aussenlager für die Zwangsarbeiter. Die Belegschaft des Lagers bestand aus Russen, Polen, französischen und italienischen Kriegsgefangenen sowie Zuchthäuslern und "wehrunwürdigen" Deutschen wie straffällig gewordene Wehrmachtssoldaten. Der Lagerleiter war ein berüchtigter SS-Sturmscharführer, der schon als Leiter im Arbeitserziehungslager Hunswinkel für seine Unmenschlichkeit bekannt war. Das Wachkommando bestand aus 25 Schutzpolizisten, die Lagerverwaltung aus 10 Gestapo-Männern. Das Lager war auf zwei Seiten mit einer hohen Steilkante, und ansonsten mittels Stacheldraht gegen Fluchtversuche gesichert. Neben den unmenschlichen Bedingungen wie Prügel, Dreck und Enge gab es kaum etwas zu Essen. Viele der Zwangsarbeiter litten an Hungerödemen. Hungersnot und Entkräftungen waren die vorrangigen Todesursachen. Wie viele Häftlinge in dem Lager starben ist leider nicht nachweisbar. Manch einer fiel der Brutalität seiner Bewacher zum Opfer. Zeugenaussagen belegen aus dem Lager Sanssouci mindestens drei Hinrichtungen am Galgen. Urkundlich erwähnt sind "nur" 24 tote russische Häftlinge, wovon die meisten an "Herzmuskellähmung" starben.
Die Rohstoffe, besonders verflüssigte Kohle bzw. Stein- und Braunkohlenteer, Wasser und Energie, sollten bei der für Sommer 1945 geplanten Produktionsaufnahme über Rohrleitungen aus dem Ruhrtal bzw. Ruhrgebiet herangeführt werden.Für die Produktion benötigte man große Mengen Wasser, das über Leitungen aus dem Ruhr- bis zum Hönnetal gebracht werden sollte. Stahlrohre mit einem Meter Durchmesser und acht Metern Länge sollten hierfür zusammengeschweißt werden.
Der zehnmonatige Stollenvortrieb und Ausbau erfolgte durch umfangreichen Einsatz von 10.000 Zwangsarbeitern und Häftlingen im Schichtbetrieb. Wieviel Leid und Elend dieser Stein gesehen haben muss… Die Gestapo Dortmund gab im Spätsommer 1944 die Kontrolle über das Arbeitserziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid auf, um im Hönnetal ein neues Häftlingslager einzurichten. Trotz der Baudimension und damit verbundener Logistik blieb das Projekt lange Zeit unbemerkt. Zur Verteidigung der Grossbaustelle lagen mehrere strategische Abwehrmaßnahmen vor. Unter anderem wurde das Projekt ringsherum von Flakbatterien verteidigt.
Geplant wurde von der Mineralölbaugesellschaft eine kombinierte Hydrier-Dehydrieranlage mit J2-Kraftstoffanlage auf Steinkohlenteer-Basis. Eine einfache Hydrieranlage reichte für eine Produktion von Flugzeugtreibstoff nicht aus. Da in der Untertage-Verlagerung "Schwalbe 1" Treibstoff für den Düsenjäger Me 262 hergestellt werden sollte, wählte man ein Dehydrierverfahren um die U-Verlagerung Eisenkies - Projekt Schwalbe 1 benötigte hohe Oktanzahl des Treibstoffs zu erlangen.
Heutiger Zustand
Als ich das erste Mal vor dem riesigen Eingangsportal stand, war ich erstaunt über die Größe und auch die Einsamkeit des Berges. Wenn man sich vorstellt, daß meine Füße den Boden betreten, den auch die Zwangsarbeiter betreten haben, hatte ich ein Kloß im Hals. Der heutige Zustand der Stollen ist unterschiedlich. Manche Stollen sind verfüllt, eingebrochen oder einfach nur unzugänglich. Es gibt noch einige sichtbare Relikte aus der Zeit der Produktion. Der unterirdische Verladebahnhof mit den Resten der Gleise waren mir unheimlich aber sehr authentisch und auch sehr in Erinnerung geblieben. Panzerreparaturen haben hier stattgefunden. Das Gleis führt direkt ins Nirgendwo...in einem riesigen verfüllten Haufen voller Stein. Eine Stelle, an der auch wir erst einmal Pause machten.
Schienen im "Koksstollen"

Schienen von weiten am Ende
Die gigantische Größe der Stollensysteme , lassen den Menschen so klein erscheinen, daß er garnicht mehr sichtbar ist. Beschwerlich über die Brocken gekrochen und geklettert gab es immer wieder neue Blindstollen. Die Untertageverlagerung "Eisenkies" besteht heute aus mehreren voneinander abgetrennten Stollensystemen sowie zahlreichen Einzel- und Blindstollen. Die Stollenmundlöcher sind fast alle verschüttet und sehr schwer im steilen Gelände zu finden.
Schlufine ganz klein

Wassergasanlageteil
Abschließend kann man sagen, dass die U-Verlagerung Schwalbe 1 vom Sicherheitsaspekt aus gesehen einige Risiken birgt. Das Deckgebirge hält, aber die vielen Spalten und Risse in den Schuttbergen sind gefährlich. Für unerfahrene besteht Lebensgefahr ! Laßt diese Stätte ruhen und erinnert an die Zwangsarbeiter, die dort Ihr Leben lassen mußten mit einer Gedenktafel oder historischen Führungen.
Ein wirklich guter Link im Netz, von jemanden der sich "kümmert" um die Ereignisse aus der schlimmen Zeit ist :
plettenberglexikon
Dort findet man viele Informationen und Zeitzeugengespräche, die man unbedingt lesen muß.
Desweiteren gibt es ein Mahnmal auf dem Friedhof in Lendringsen. Es erinnert u. a. an die Menschen, die ab Herbst 1944 für das Geheimprojekt "Schwalbe 1" zwangsweise arbeiten mussten und dabei ums Leben kamen.
Zugang zum oberen System
Reste eines Ofens
ausgediente Kipploren

Isolator
Eine kleine Diashow mit mehr Bildern findet Ihr in meinem Videokanal:
http://www.youtube.com/user/schlufine2009#p/u/14/Ay-qx23FTVU
Literaturhinweise:
Stollen im Fels und Öl für`s Reich
Kai Olaf Arzinger
Mönnig Verlag
ISBN: 3-922885-70-5
Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des zweiten Weltkrieges
Hans Walter Wichert
Verlag: Druckerei Joh. Schulte, Marsberg
ISBN: 3-9803271-4-0
Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859-1974
Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes
C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50276-8
Antonius Fricke:
Bericht über den derzeitigen Stand meiner Erarbeitungen zum Thema „Eisenkies“ bzw. „Schwalbe I“ im Hönnetal, zu den Lagern unterschiedlichen Typs und insbesondere zum „Kommando West“ = „Kommando X“ = (ab 1. 2. 1945) „Strafgefangenenlager Lendringsen“. in: Bürger- und Heimatverein Hemer (Hrsg.): Der Schlüssel. Ausgabe 1/2010, März 2010. ( hier hat Eismann Fotos zur Verfügung gestellt)
HÖHLEN IM HÖNNETAL
Ihre Eingänge gleichen nicht selten engen Schlupflöchern oder spaltartigen Öffnungen, hinter denen sich schluchtartige Hohlräume (Karhofhöhle), enge Gänge mit Kammern (Leichenhöhle) oder weitläufige Höhlensysteme (Reckenhöhle) ausbreiten. Von der Friedrichshöhle z. B. führen stufenweise Schächte und Klüfte in die "Hönnetaler Unterwelt", eine unterirdische Flusshöhle, die erst streckenweise erforscht werden konnte. Ganz anders präsentieren sich die Balver und die Feldhofhöhle. Ihre ausladenden Deckengewölbe und Eingänge gleichen offenen Hallen.
Von archäologischer und paläontologischer Bedeutung sind die sog. Kultur- bzw. Kulthöhlen. Allein in der Burghöhle am Klusenstein fanden Gräber tausende Artefakte und Fossilien. Ablagerungen (Kulturschichten), tierische Relikte und Zeugnisse menschlicher Tätigkeiten spiegeln erdgeschichtliche Entwicklungen (Klima, Flora, Fauna) wider oder berichten von der kulturellen Entwicklung des homo sapiens vom Neandertaler, über den Cro-Magnon-Menschen und Rentierjäger bis zum Jetztmenschen.
Höhlen werden erst dann wirklich interessant, wenn man ein wenig über ihre Entstehungsgeschichte und über ihren Nutzen für Menschen und Tiere im Verlauf erdgeschichtlicher Veränderungen weiß.
Eigentlich wollten wir als erstes in die Balver Höhle, sie ist ja auch schließlich eine U-Verlagerung und nicht nur eine Höhle (DECKNAME KRONE)
Aber wir wurden enttäuscht. Sie ist definitiv keine Schauhöhle mehr, sie ist nur noch SHOWHÖHLE. Veranstaltungsort für Theateraufführungen und Konzerte. Sollte man doch dringlich eine Befahrung in Augenschein nehmen, so melde man sich beim Verkehrsamt Balve und fragt nach einer Privatführung. Sehr traurig, daß diese wichtige Höhle nun zu war. Lediglich das Portal durften wir fotografieren. Selbst reingucken ging nicht.
SPAM

1 km nördlich, auf der Westseite der B515, über die steinerne Brücke, gegenüber den “Sieben Jungfrauen”, liegt die Feldhofhöhle.
Über die Schafsbrücke im Hönnetal, auf der SGV Hauptwanderstrecke 4, am alten Forsthaus vorbei aufwärts Rchtung Bäingsen. Etwa 160 Meter von der Schafsbrücke liegt linker Hand am Wege die räumlich große Feldhofhöhle.
Länge der Höhle: Hauptgang 97 Meter, Länge aller Gänge 130 Meter. Eingang: Breite 8 Meter, Höhe 4 Meter. Die Höhle besitzt einen zweiten Eingang dicht neben diesem größeren. Im allgemeinen verläuft die Höhle söhlig, lediglich das letzte Stück, etwa 15 Meter, verläuft steil nach oben, Versturz. Höhle trocken, Höhe über Talsohle 37 Meter. Flußhöhle im Streichen des Massenkalkes. Wenig Tropfstein.
Ich kann garnicht beschreiben, wie schön ich sie finde. Dieses mächtige Portal (sie hat 2 Eingänge) ist so imposant, ich bin sofort reingelaufen und habe mich gefreut, daß sie offen steht und so weitläufig ist. Sie steht bei mir auf der Lieblingshöhlenliste ganz oben !!!
Die Großräumigkeit und die geschützte Lage der Höhle machte sie in früheren Kulturepochen zu Behausungen und Unterkünften der Höhlenbewohner. Bedeutende Grabungen nach dem ersten Weltkrieg erbrachten Funde von Tieren und Menschen. Bei den Grabungen 1925/26 durch Professor Andree fand man 5 Kulturschichten, in denen sich Holzkohlenreste, Knochensplitter, abgerollte Knochenstücke und Knochenreste vom Höhlenbären, Rentier, Wildpferd, Wolf, Rhinozeros und Höhlenhyäne befanden.
BLICK NACH DRAUSSEN
TOLLE GANGPROFILE
SELFSHOTS MÜSSEN SEIN

schöne Schluf-Eckchen für mich
Sie ist einfach nur schön
Helm hatte ich dabei ;-)
Einen Zeitungsbericht über die Höhle findet Ihr unter diesem Link:
von weiten
Eismann sucht die Kokons
das geht bei mir garnicht
Ich habe normalerweise kein Problem mit engen Höhlen. Diese Höhle hier hat ihren Namen nicht umsonst bekommen. Der kleine Eingang ist ein Minitunnel mit Knick nach links. Den Weg dadurch habe ich mir allerdings verkniffen, denn da ist Frau Meta Menardi in Massen anzutreffen und nicht gerade kleine Exemplare. Eismann wurde hier vor Jahren von einer Höhlenspinne in den Finger gebissen, aber er schlufte frohen Mutes noch einmal durch. Wenn der Schluf so eng ist und die Spinnen ZU NAH sind, laß ich es lieber. Ich habe diese Tunnelhöhle deswegen von der anderen Seite genommen ;-)
Frank und ich gucken rein, Eismann guckt gleich raus
Hier kann man prima erkennen, wie tunnelig diese Höhle ist
Mondmilch (lat. Lac Lunae) ist die Bezeichnung für eine spezielle Art von Calcitablagerung. Der Begriff beruht auf einer historischen Beschreibung der Höhle Mondmilchloch am Pilatus aus dem Jahr 1555. Oft wird im Deutschen fälschlicherweise auch der Name Bergmilch bzw. Montmilch (Lac Montanum) verwendet.
Das ist der andere Eingang übern Binoler Tunnel
Mondmilch oder Calcit kann man hier gut erkennen

Frank braucht einen HELM !!!!!!!!
Der Weg dort hin ist übelst gefährlich. 150-160 Fuß über dem Fluß hoch ! Gruselig war mir schon da oben. Allerdings ist das Höhlenportal sehr mächtig, es zog mich an und die herbe Entäuschung vor einer verschlossenen Höhle zu stehen war schon traurig. Sie ist komplett dicht.
