UNSERE GROSSE SOMMERTOUR DURCH DEN HARZ

Auch letzten Sommer haben wir wieder eine lange Woche im wunderschönen Harz verbracht und viel erlebt. Was wir erlebt haben, was wir besucht haben....lasst Euch überraschen. Berichte und Fotos der von uns besuchten Objekten findet Ihr auch hier:

http://www.untertage-übertage.de/Untertage-Verlagerungen.html

U-VERLAGERUNG DACHS IV DECKNAME "BASALT"

Vorhaben: Dachs IV
Betreiber Firma: Rhenania Ossag-Hamburg
Standort: Gips und Anhydridwand Osterode/Harz.
Deckname: Basalt
Stollenfläche: 17.000 m²
Stollenausbruch: 15.0000 m³
Baudurchführung: OT-Einsatzgruppe Weimar
Bemerkungen: Lage "im Berg". Produkteneinsatz: 30.000 Monatstonnen

Bei dem Projekt „Dachs IV“ handelt es sich um eine geplante Untertage-Verlagerung eines Hydrierwerkes in einem Gipssteinbruch am Stadtrand von Osterode am Harz. Diese U-Verlagerung gehörte zum sogenannten Geilenberg-Programm (Mineralölsicherungsplan) und der Deckname lautete „Basalt“. Das Projekt hatte zum Ziel, eine Raffinerie der Rhenania-Ossag (heute Royal Dutch Shell) aus Hamburg unterirdisch im Gipssteinbruch aufzubauen. Mit dem Bau der Stollenanlage, die 17.000 m² groß werden sollte, wurde im Oktober 1944 begonnen. Zu spät. Das Projekt wurde nicht fertiggestellt.
Es gab mehrere Standorte für Dachs IV zur Auswahl: Höhle Heimkehle bei Rottleberode (Deckname "Heller" - Projekt "A5") , Kalksteinbruch in Miltitz oder der Anhydritberg zwischen Osterode, Petershütte und Katzenstein. Da Gips und Anhydrit weiche Gesteine und für den Bau von Stollen gut geeignet sind, hat die Rüstungsindustrie im 2. Weltkrieg in dieser Gipsstufe die besten Möglichkeiten für die Errichtung unterirdischer Produktionsräume vorgefunden.Darüber hinaus gab es im Kohnstein bei Niedersachswerfen bereits eine fast 100.000 qm große Untertageanlage ( Mittelwerk ). Kein Wunder, daß der Kohnstein zum Herzstück der Rüstung im Mittelraum wurde.Für den Standort von Dachs IV entschied man sich nach viel besprochenen Kriterien letztendlich für die Steinbrüche unter dem Sedanturm in Osterode.


Grundriß der geplanten und bis Ende März 1945 fertiggestellten Stollen und Kammern. Zeichnung von Jürgen Müller, Osterode

Petershütte: Projekt `Dachs IV´. Die geplante Anlage ist maßstabsgerecht eingezeichnet. Angefertigt von Jürgen Müller, Osterode


Brücke über den Fluß Söse

Nur wenige Menschen wissen, was sich in den Steinbrüchen im Harz während der Kriegsmonate zugetragen hat. Lediglich ein Gedenkstein an der Söse erinnert an das Geschehen in den Kriegsmonaten wo folgender Text drauf zu lesen ist:

Idylle oder Grausamer Ort?

Auf dem ersten Blick erscheint die Anlage Dachs IV wie ein natürliches Paradies, strahlend weiße Gipswände, ein türkisfarbener Minisee vor den Mundlöchern, ein Ort zum "einfach mal hin setzen" denkt man.

Aufnahme Sommer 2007 wo der See noch existierte

Füße kühlen, es war so heiß...

Doch die Idylle trügt. Hier mußten Zwangsarbeiter rund 10 Stunden unter der OT-Führung im Untertagebetrieb eingesetzt werden. Insgesamt wurden auf der Baustelle und in den Stollen ca. 700 Häftlinge zur Arbeit gezwungen. Einige Häftlinge in Sträflingskleidung mußten in den Stollen im Dreischichtbetrieb hauptsächlich Kipploren beladen, eine körperliche Schwerstarbeit ! Man darf garnicht an die Schicksale jedes einzelnen Häftlings denken. Nach der Arbeit in den Stollen wurden sie noch zum Weiterbau des Lagers (Unterbringung) eingesetzt. Für die Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Fremdarbeiter bestanden in Osterode mehrere Lager zur Unterbringung. Wie z.B. das KZ - Lager Sösegrund. Per Bahntransport wurden sie von Niedersachswerfen nach Osterode hin- und zurück gebracht.Die Unterbringungen in den Lagern war menschenunwürdig.

Wie Augen eines Raubvogels

Auf kleinstmöglicher Fläche sollte eine komplette Hydrieranlage eingebaut werden. Zwischen dem Auftraggeber und dem späteren Betreiber gab es bei den Planungen des Hydrierwerkes unterschiedliche Meinungen. Der Arbeitsstab Geilenberg als Auftraggeber und die OT für die Planung und Bauaufsicht wollten die Anlage so klein wie möglich halten. "Wenige und kurze Stollen" so hieß es.
In der ersten Planungsstufe sollten 17 parallel verlaufene Stollen in den Berg gesprengt werden. Die Länge von Stollen 1 sollte 50 m,die der Stollen 2 - 17 165 m betragen, die Breite der Anlage etwa 385 m.In unterschiedlicher Tiefe waren die Stollen mit einem Querstollen verbunden. Nur zwischen Stollen 3 und 4, 10 und 11,15 und 16 war keine Verbindung vorgesehen.Diese Querstollen sollten 3 m breit werden. Zusätzlich sollten die Stollen 2-17 an ihrem Ende mit einem 3,50 m breiten Stollen verbunden werden. Sie waren die Verbindungswege für die Arbeitskräfte, Rohrleitungen, zwischen den einzelnen Produktionsstätten vorgesehen.

Vergessene Kompressoranlage

Die Produktionsanlage sollte wie folgt untergebracht werden:

Stollen 1 Entparaffinierung
Stollen 2 Entparaffinierung
Stollen 3 Entparaffinierung
Stollen 4 Kesselanlage
Stollen 5 Kesselanlage
Stollen 6 Kesselanlage
Stollen 7 Destillationöfen
Stollen 8 Bulk-Gatsch- und Vakuum-Destillation
Stollen 9 Destillationöfen
Stollen 10 Top-Anlage
Stollen 11 Top-Anlage
Stollen 12 Raffinerie
Stollen 13 Raffinerie
Stollen 14 Synthese-Anlage
Stollen 15 Synthese-Anlage
Stollen 16 Crack-Ofen
Stollen 17 Erdlager
Stollen 18 Säurelager
Querstollen 3-4 unbekannt
Querstollen 4-5 Trafo-Anlage
Querstollen 5-6 Kompressor-Anlage



Einlagerung von größeren Mengen an Rohöl und Fertigprodukten in den Stollen war nicht geplant.Wenn die Anlage in Betrieb war, war es auch nötig eine gute Entlüftung zu installieren, gerade wegen der hohen Temperaturen, die da zustande kamen. Denn bei großer Hitze neigt Anhydrit zur Rissbildung, das wiederum kann zum Ablösen der Gesteinsplatten aus den Decken führen. Deshalb baute man zwei Entlüftungssysteme mit ein.Die Wirkung der Entlüftung beruhte auf den Kamineffekt. Auf die einzelnen Bauweisen der Abluftschächte gehe ich hier nicht besonders drauf an, das wäre zu spezifisch ;-)

alter Schaltkasten


Ich kann nur bestätigen, daß man heute noch einen Abluftschacht erkennen kann. Wer sich aber dennoch für das Spezifische interessiert, der sollte sich das Buch von Jürgen Müller (am Ende des Berichtes vorgestellt ), besorgen. Das Buch ist ein wichtiger Bestandteil der Recherchen, um dieses Thema sichtbar zu machen /halten und die Technik zu verstehen. Denn wenn man sich dafür wirklich interessiert, liest man auch die Literatur dazu oder recherchiert selber. Man sollte sich vor Augen halten, daß es sich bei unseren Ausflügen nicht nur um abenteuerliche Stollentouren handelt, sondern um die Dokumentation geschichtsträchtiger Orte gegen das Vergessen sichtbar zu machen. Das KZ Mittelbau-Dora muß man zuerst besuchen, man muß sich den Film der dort vorgetragen wird erst anschauen, dann begreifen und dann kann man mit nachdenklichem Gewissen die Anlage betreten und das alles einmal auf sich wirken lassen, was für ein Elend sich hier abgespielt hat. Ich kann den Kloß im Hals auch jetzt beim Schreiben noch deutlich fühlen.

Eismann und alte Ölfässer


Nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde in dem Steinbruch noch Gips abgebaut. Mitte der 60er Jahre wurde in den Stollen auch Anhydrit abgebaut. Das immer höher ansteigende Grundwasser in den Stollen behinderte mehr und mehr die Arbeiten, deswegen wurde der Abbau Mitte der 70er Jahre eingestellt.
Vor dem Steinbruch wurde zwischendurch noch einmal Gips abgebaut.

Gerätschaften

Größenvergleich

immer mehr ansteigendes Grundwasser

Was ist heute noch sichtbar?

Wenn man das Buch nicht gelesen hat, Mittelbau-Dora nicht besucht hat, erinnert einem eigentlich nichts mehr an das hektische Treiben von damals im Steinbruch.
Die Mundlöcher sind meist mit Geröll verschüttet, infolge von Erschütterungen der Sprengarbeiten sind riesige Brocken von der Firste herabgestürzt, einige Stollen stehen voll mit Grundwasser. Bohrlöcher sieht man noch, rostige Stellen an den Firsten von damaligen Stromleitungen auch. Von der Kompressoranlage ist nur noch im Querstollen ein Fundament übrig geblieben. Ansonsten erinnert nichts mehr an den sinnlosen Versuch, 5 Minuten vor zwölf noch eine gigantische Produktionsstätte in den Berg zu bauen.
Es ist gefährlich dort ohne Wathose, Geleucht, Helm und alleine die Anlage zu betreten.



Lichtspiele

Draußen wirds dunkel

Schlammig, nass aber  authentisch

Postkartenreif?

Eismann konzentriert bei der Arbeit

Bergmann und Eismann machen eine Kneippkur

Landschaft obere Stollensohle, Pause, umziehen, Abbruch, zum Campingplatz weil Hunger....

Meine Literaturempfehlung:

 

Jürgen Müller: Dachs IV - der Bau des unterirdischen Hydrierwerkes Dachs IV bei Osterode im Harz zum Ende des zweiten Weltkrieges., 1. Auflage, Papierflieger, Clausthal-Zellerfeld, 12. März 2004, ISBN 3-89720-700-1
Wolfgang Birkenfeld: Der synthetische Treibstoff

Hans Walter Wichert: Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten

Xaver Dorsch: Die bombensichere Verlagerung von Industrieanlagen

DECKNAME ÖR (JETTENHÖHLE)

Eine U-Verlagerung in einer Höhle, die keine wurde....

EINGANGSPORTAL

ANSCHLAZEN



Die Jettenhöhle hat über 600 m lange Gängen und bis zu 9 m hohe Hallen mit einigen Teichen. Die
Höhle findet unter dem Namen „Gettenhelle“ im Jahre 1308 zuerst Erwähnung und ist damit einer
der ältesten überlieferten Höhlennamen. Die Höhle wurde schon in der Zeit um Christi Geburt von
Menschen begangen.Die Jettenhöhle befindet sich im Naturschutzgebiet "Hainholz". Dieses liegt im Gipskarstgebiet des Südharzes nahe des Ortes Düna südlich von Osterode. In der Höhle wurden zahlreiche Keramikfunde aus vorgeschichtlicher Zeit gemacht. Forscher vermuten außerdem, das in grauer Vorzeit in der Jettenhöhle diverse "Kulthandlungen" stattfanden. Die Jettenhöhle ist mit weiteren kleineren benachbarten Höhlen verbunden und lediglich der verbliebene Rest eines einst viel größeren Höhlensystems.

KLEINER SEE

Auch hier sollte untertägig produziert werden. "Ör – (unterirdische Verlagerung der Firma Rinkel GmbH Feinmechanische Rüstungsgeräte aus Göttingen in die natürliche Jettenhöhle; die Produktion wurde jedoch nicht mehr aufgenommen") heißt es laut Decknamenverzeichnis. In der Höhle selbst, konnte man nichts davon sehen.

ANSCHAUUNG



 

Die Jettenhöhle ist außerdem Heimstatt für eine große Anzahl von streng geschützten Fledermäusen. Ein Betreten der Höhle ist daher auch aus diesem Grund verboten. Es gab Diskussionen sie zu vergittern, was jedoch kaum Sinn macht. Bitte diese Höhle nicht während der Fledermausschutzzeit betreten. Nie alleine gehen, nur mit Geleucht und Helm, kein Müll zurücklassen, nichts mitnehmen !!! Respektiert dieses Naturdenkmal !!!


Sie ist keine öffentlich zugängliche Höhle, weil u.a. die Struktur der Höhlendecken an manchen Stellen sehr instabil ist. Zahlreiche Bruchstellen sind Zeugnisse dieser akuten Einsturzgefahr. Es wäre sehr dumm, ohne professionelle Ausrüstung die Gänge zu betreten

LICHT UND SCHATTENSPIEL





SLIDESHOW

WEITERE HÖHLEN IM HARZ

U-VERLAGERUNG SEESTERZ BARBAROSSAHÖHLE IN ROTTLEBEN


Höhle, Altbergbau und U-Verlagerung in einem



(aus: Engelhardt, Ewald: Die Barbarossahöhle im Kyffhäusergebirge.
Ein Führer (Verlag C. Werneburg; Frankenhausen). 1913)


Die Barbarossahöhle ist die größte Anhydrit-Gips-Höhle Europas und hat eine Grundfläche von 25000 m². Sie befindet sich im Kyffhäusergebirge nahe Rottleben. Schon vor der Entdeckung der Höhle glaubten die Leute an den schlafenden Kaiser Barbarossa im Kyffhäuserberg. Somit wurde die Höhle nach ihm benannt. Die Höhle wurde 1865 bei der Suche nach Kupferschiefer entdeckt.


Der Rundgang durch die Höhle beginnt mit dem sogenannten 'Empfangssaal'. Weiterhin stößt man auf riesige Hohlräume, bizarre Deckengebilde und kristallklare Seen, deren blaugrüne Färbung durch den Gipsgehalt und die Lichteinstrahlung hervorgerufen wird. Weitere Highlights sind die 'Neptungrotte', der 'Tanzsaal' - ein riesiger Hohlraum von 42 m Spannweite, in dem der legendäre Tisch und Stuhl von Barbarossa zu finden sind - und die 'Lohgerberei' - hier hängen bis zu 1 Meter lange zerbrechliche Gipslappen von der Decke, die aussehen wie die Lederlappen einer Gerberei. Die Temperaturen in der Höhle liegen das gesamte Jahr bei etwa 9 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 98-100 %.


Die Höhle ist wirklich ein kleines Naturwunder und absolut faszinierend.

Hier als Höhlenfrau sitz ich auf meinem Thron

Um Ende des 2.Weltkrieges war die Barbarossahöhle für die Einlagerung kriegswichtiger Produkte (Reifen der Fa. Conti) vorgesehen, wozu es aber nie kam. Der Deckname laut Wichert dafür ist „Sesterz“. Der Falkenburger Stollen soll Berichten englischer Geheimdienste zufolge einen Störsender beherbergt haben. Dieser Stollen wurde nach Kriegsende von den Besatzungstruppen als kriegswichtiges Objekt auf einer Länge von 30 bis 40m gesprengt. Im Zuge der Bodenreform wurde Freiherr Otto von Rüxleben enteignet. Die Höhle ging in Rechtsträgerschaft der Gemeinde Rottleben, die den Betrieb der Höhle bis etwa 1970 führte. Anschließend übernahm ein kommunaler Zweckverband den Höhlenbetrieb.


Ab 1954 wurde das ‘Felsenmeer’ mit der ‘Kristalldecke’ an den Führungsweg angeschlossen


Ein Besuch lohnt. Kleine Stärkung vor der Einfahrt oder danach mit einer leckeren Thüringer Bratwurst und einem Höhlenbier , ist dort möglich.

Ebenso sollte man den alten Felsenkeller in der Nähe des Parkplatzes nicht unbeachtet lassen.



Öffnungszeiten:
vom 1.Mai bis 30. Sep. 9-18 Uhr
vom 1. Oktober bis 30. April 9-17 Uhr


Adresse:
An den Mühlen 6
06567 Rottleben / Kyffhäuser
Telefon: 03 46 71 - 545-0

weitere Informationen:
http://www.hoehle.de 


DIE KELLE BEI ELLRICH

Schön versteckt und mitten im Wald bei Ellrich liegt diese wunderschöne Gipshöhle namens "Kelle" in einem tiefen Erdfall gelegen. Eine lange Treppe führt zum Eingangsportal nach unten. Manch einem wird schwindelig, wenn er nach unten oder nach oben schaut.

INFOSCHILD

 Die Kelle, eine Gipshöhle unweit Appenrode, war als Südharzer Naturdenkmal sehr früh bekannt, geriet aber mit zunehmendem Verfall im Laufe des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit.

EINGANGSPORTAL

Ursprünglich eine 85 m lange, wassererfüllte Riesenhalle, besteht sie heute nur noch aus einem großen Erdfall mit einer daranstoßenden halboffenen Grotte und einem kleinen See. Die Kelle ist ursprünglich durch stehendes Karstwasser ausgelaugt und durch Verbruch vollkommen überformt. Der Umfang der früheren Laugtätigkeit wird durch zahlreiche z. T. beachtliche Erdfälle in unmittelbarer Umgebung deutlich. 

HÖHLENSEE

INFOTAFEL 

 Der Verfall einer Gipshöhle zum Erdfall läßt sich an der Kelle geradezu exemplarisch verfolgen, da er in historischen Zeitmaßstäben ablief und wegen der früheren Bekanntheit des Naturdenkmals ausgezeichnet dokumentiert ist.

demnächst:

...wenn wir nach Nordhausen brausen...


Mittelbau Dora (Ni)

OLLY, ICH, BJÖRN, ELKE

Höhle Heimkehle (Deckname "Heller") IN UFFTRUNGEN



Letztes Jahr auf unserer mehrtägigen Harztour, haben wir uns die ehemalige U-Verlagerung "Heller" A5 vorgenommen. Da es draussen viiiieeel zu warm war, kam uns die kühle Gipshöhle sehr gelegen.


Geschichtliches

Bereits 1357 wurde die Heimkehle das erste Mal erwähnt. Ein Heimatforscher deutete den Namen als geheimer Keller.
Erstmals für den Besucherverkehr wurde die Höhle 12. September 1920 eröffnet, jedoch 1944 besetzt und durch die im Konzentrationslager Dora untergebrachten Häftlinge mehrere Werkhallen gebaut. Hier wurden vor allem Fahrgestelle für das Flugzeug JU88 hergestellt. 1945 im April wurde durch die Amerikaner das gesamte Außenlager evakuiert.
1946 fand durch die rote Armee die Sprengung der Höhle statt.
Ein großer Teil der Höhle war vernichtet, allerdings wurde ein neuer Zugangsstollen ausgefahren. 1954 wurde die Heimkehle erneut für den Besucherverkehr geöffnet. Die Gesamtlänge beträgt etwa 2 km. Der für Besucher zugängliche Teil ist aber nur ca. 750 m lang. In der Höhle verläuft die Landesgrenze zwischen Sachsen Anhalt und Thüringen.

Chronik

- 1357 erstmals urkundlich erwähnt;
- seit 12.09.1920 Führungen, kommerzielle Nutzung, Erschließung als Schauhöhle durch T. Wienrich (damaliger Zugang war der Natureingang);
- 12.03.1944 bis 04.04.1945 Einstellung des Schauhöhlenbetriebes; Aufbau eines unterirdischen Rüstungsbetriebes im Riesentunnel, Großer Dom und kleiner Dom;
- Produktionsanlage der Junkerswerke Dessau zum Bau von Fahrgestellteilen für das Flugzeug JU88;
- dazu entstand in Rottleberode ein Außenlager des KZ "Mittelbau Dora"
- 1946 Sprengung der Rüstungseinbauten und der Höhleneingänge, Höhle geschlossen;
- ab 02.11.1953 Beginn der Arbeiten zur Wiedereröffnung der Höhle als Schauhöhle;
- 25.04.1954 Wiedereröffnung Juli 1957 Begrüßung des 300.000 Besucher seit der Wiedereröffnung, bis 1990 jährlich ca 100.000 Besucher;
- seit 1990 Lasershow im Großen Dom;
- am 24.12. "Fest der 1000 Lichter" bis 1996;
- Einrichtung einer Mahn- und Gedenkstätte für die ehemaligen KZ-Häftlinge aus den Ländern Frankreich, Niederlande, Belgien und Deutschland im kleinen Dom, sowie eine Ausstellung über den Mißbrauch der Heimkehle in den Jahren 1944/45 im Außengelände

Anreise

aus Richtung Osten
die Bundesstraße 80 bis in die Gemeinde Berga fahren und dort in Richtung Stolberg abbiegen. Folgen Sie bitte ab hier der Ausschilderung

aus Richtung Süden
die Bundesstraße 85 bis in die Gemeinde Berga fahren und dort in Richtung Stolberg weiter. Folgen Sie bitte ab hier der Ausschilderung

aus Richtung Westen
die Bundesstraße 80 bis in die Gemeinde Berga fahren und dort in Richtung Stolberg abbiegen. Folgen Sie bitte ab hier der Ausschilderung

aus Richtung Norden
folgen Sie der Beschilderung nach Stolberg, Berga und der Heimkehle.

Betreten der Heimkehle

Als allererstes sollte man sich warm anziehen, denn in der Höhle herrschen gerade mal Temperaturen von 7 Grad und das ist nicht viel. Betritt man die Höhle muss man sich als allererstes einen gelben Helm aussetzen, es könnte ja etwas von der Decke fallen oder man könnte sich bei den niedrigen Höhlengängen den Kopf stoßen, also für Sicherheit ist hier gesorgt. Wir hatten aber unsere eigenen dabei :)
Ist man durch den engen stollenaussehenden Eingangsweg hindurch, kommt man in eine Art Eingangshalle. Hier findet man Schaukästen, wo man sich verschiedene Gesteinsarten anschauen kann, sowie alte Gerätschaften etc.

Führung

Dann wird man von der netten Dame, die die Führung macht begrüßt und bekommt kurze Hinweise wie man sich in der Höhle zu verhalten hat und wie die Führung aussehen wird.
Anschließend geht es los.

Man geht den 600 Meter langen Weg der Schauhöhle. Kann sich z.B. den kleinen Dom, die Thyrahalle mit dem Thyrasee und den großen Dom anschauen. Der See ist eine pure Augenweide und hat uns nervös mit Stativ und Kamera hilflos herum laufen lassen, weil man immer die schönste Perspektive gesucht hat.


Am Thyrasee endet die Führung und dort wird einem die Geschichte der Heimkehle erzählt. Weiterhin wird das Licht ausgeschaltet und der Thyrasee mit Licht beleuchtet, das dies traumhaft aussieht, muss ich Euch nicht erzählen, es ist einfach so.

Der Thyrasee ist 10 Meter tief und nur Taucher können durch einen unter Wasser liegenden Gang tauchen um in andere Höhlenteile zu gelangen. Die Wassertemperatur liegt um die 0 Grad.

Nachdem die Junge Dame dort die Geschichte erzählt hat, sind wir den Weg, den wir gekommen sind wieder zurückgegangen. Der ehemalige Höhleneingang liegt in Thüringen und ist verschüttet, somit kann man diese nicht mehr nutzen. Da wollten wir am liebsten schauen.


Während der Führung wurden wir auch über die Haustiere der Heimkehle aufgeklärt. Insgesamt leben hier 18 verschiedene Arten von Fledermäusen, die sich in die Höhle im Winter zurückziehen.

Lasershow


Wir gingen zurück und kamen im großen Dom an. Dort wurde ein zweites Mal das Licht ausgeschalten und eine beeindruckende Lasershow begann. Hier sah man Die Geschichte der Heimkehle und es wurden verschiedene Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gezeigt, alles durch Laser gemacht - untermalt mit Musik - einfach klasse, dies muss man unbedingt gesehen haben
Nachdem das Licht wieder eingeschaltet wurde, sind wir weiter gegangen und gelangten zum kleinen Dom.


Verlassen der Heimkehle

Hier sieht man die Mahn- und Gedenkstätte der Häftlinge, die im Krieg umgekommen sind. Blumen werden regelmäßig frisch auf einen davor aus dem Wasser ragenden Stein gelegt.
Danach ist die etwa 45 Minuten dauernde Führung beendet, die Dame verabschiedet sich und weißt darauf hin, dass man im Eingangsbereich der Höhle so lange man möchte verbleiben kann. Dies nutzen wir um schöne Langzeitbelichtungen zu machen.

Gegenüber des Eingangs zur Höhle befindet sich ein kleiner Laden, hier kann man sich entweder etwas Kleines zum Essen oder Getränke holen, Eis, oder auch Andenken, die man mit nach Hause nehmen möchte. Sehr tolle Postkarten und wertvolle Literatur.


Gesamteindruck/ Fazit

Wir haben den Besuch in der Heimkehle nicht bereut, es hat uns sehr gefallen und vor allem fanden wir alle den Thyrasee sehr interessant.
Die Führung war sehr anschaulich und interessant rüber gebracht worden und man konnte sich alles was erzählt wurde leicht merken.
Auf alle Fälle würde ich diese Höhle noch ein weiteres Mal besuchen, denn allein die verschiedenen Gesteinsarten, die man dort zu sehen sind, sind schon bewundernswert. Auch die Mahn- und Gedenkstätte, die doch zum Nachdenken anregt.
Insgesamt hat sich unser Besuch dort in der Heimkehle gelohnt und wir haben von dort sehr viel mitgenommen.




Die Höhle ist ganzjährig von Dienstag bis Sonntag geöffnet und auch für Rollstuhlfahrer geeignet, da sich im begehbaren Bereich, keine Treppen oder andere Unebenheiten befinden. Die Heimkehle ist geöffnet von

Mai bis Oktober von 10:00 bis 17:00 Uhr
November bis April von 10:00 bis 16:00 Uhr

Glück Tief!!