FELSENKELLER
Felsenkeller in Solingen

An einem wunderbaren schönen Sonntagnachmittag, wanderten wir wieder auf der Suche nach einem Relikt aus Stein und Fels in Richtung Solingen. Wir fanden den gesuchten Felsenkeller und jeder der mich kennt, weiß, wie verrückt ich nach Felsenkeller bin ;-)

Bin
sofort an die Türe und habe den kalten Luftzug gespürt, der mich ja
immer magisch anzieht weil: ich untertage am besten atmen kann. Zur
richtigen Zeit am richtigen Ort, parkte gerade der Besitzer des Hauses
und fragte uns, ob er uns helfen könne. Unser Interesse kundgetan,
bekamen wir dann die Türe aufgeschlossen. Unglaublich !!! Ich hatte
einen Puls von 180 und baute gleich mein Stativ auf, denn die
Ausrüstung habe ich ja immer dabei woll? Hier seht Ihr unseren besten
Wuppertal-Untertage-Frank, der schon mal das Schloss in der Hand hält
;-)

Der Felsenkeller ist meiner Recherche nach Ende des 18. Jahrhunderts geschaffen worden, aus einer Quelle ( http://www.tetti.de/SOLINGEN/BRUECKE/ronsdorfmuengstener.html) geht hervor:

Abgesehen davon, daß in unserem biertrinkenden Zeitalter die Nützlichkeit der erwähnten Anlage nicht zu unterschätzen ist, gewinnt dieselbe ein noch erhöhtes Interesse dadurch, daß die Räumlichkeiten ohne Zweifel auch zur Herrichtung eines Eiskellers Veranlassung geben wird.«
Es ist nicht bekannt, ob die Wirtschaft bei dem Felsenkeller zu gleicher Zeit errichtet wurde oder später. Diese brannte in Nacht vom 17. auf den 18. Dezember 1878 vollständig nieder und wurde später wieder neu errichtet (dieHeimat, 1960, S.20).
hier der Eingangsbereich zum Luftschutz umfunktioniert


Unglaublich aber wahr, daß er auch Luftschutzstollen im 2. WK war. Man sah es recht deutlich denn am Boden lagen Gasmasken, die mir sehr gruselig vor die Linse traten.


Der Felsenkeller hat auch einen eigenen Brunnen, der mit klaren kalten Wasser gefüllt war. Tropfen von der Firste füllten ihn wohl auch noch Jahrzehnte lang

Er ist ca. 40 m lang, sehr kühl und feucht. Mehrere alte Lichtleitungen schlummern rostig an der Firste vor sich hin



Vor lauter Euphorie bemerkte ich garnicht , daß ich schon nasse Füße hatte



Das war wieder ein wundervoller Zufall und ein einschneidendes Erlebnis für mich, einen Felsenkeller einfach so befahren zu dürfen. Mein Dank geht an den Hausbesitzer !!!!

Den ersten Anschein nach ist es wie in alten Altbergbaustollen. Man schluft rein, steht im Gebirge und denkt erst an Abbau vom Gestein. Auf dem ersten Blick sieht dieser Stollen aus, wie ein ehemaliger Versuchsabbaustollen, wenn man aber schon einige Felsenkeller bzw. Eiskeller gesehen hat, fällt einem die auf beiden Seiten befindlichen Anhöhen am Boden auf, die es nur in Eiskellern gibt. In der Mitte wurden die Fässer transportiert, an den erhöhten Seiten gelagert. Oben im Stollen befindet sich ein hoher Schacht. Hier dürfte das Eis hinuntergeschüttet worden sein. Belege über diesen Stollen habe ich nicht ausfindig machen können, aber nach meinen Erfahrungen dürfte meine Überlegung der Realität entsprechen.
ACHTUNG :Der Stollen ist absolut gefährlich. genau in der Mitte des Transportweges, hängt das Gestein sehr locker an der Firste. Betreten verboten also !!!!


Stollen an der Kellerstraße in Elberfeld

Eine
Mischung aus Altbergbau und Luftschutzstollen? In Form eines
Felsenkellers? Das gibt es auch in Wuppertal. Einen mir bekannten
Felsenkeller werde ich mal kurz vorstellen. Vielleicht ist Euch auch
mal an geglätteten Felsenmauern ein zugemauerter Eingang aufgefallen.
Hier in der Stadt tauchen sie in Massen auf, wenn man darauf achtet.
An der Kellerstraße wie an der Paradestraße ist ein Eingang. In einem alten Bericht von Fritz Jordes von 1897 heißt es:
"Der
Engelnberg war reich an Gruben und unterirdischen Gängen, die halb
verschüttet, aus jener Zeit sich erhalten haben, in denen aus seinem
inneren der Schlägel des Bergmanns erklang. Hier wurde damals Kalk
gebrochen und gebrannt, nach Erzen sein Gestein durchwühlt und diese an
den Abhängen des Berges verhüttet. Die Halden sind heute verwaschen,
die Mündungen der Stollen verstürzt und von jener Zeit ist nichts mehr
übrig geblieben als sagenhafte Erinnerungen, die zuweilen leise
auftauschen, wenn beim Fundamentbau neuer Häuse Reste alter Gänge
auftauchen.
Als ungefähr vor sechzig Jahren (ca 1840) nördlich der
Fabrik von Jaeger (jetzt Clemen) am Neuenteich ein Hügel am Fuß des
Engelnberges abgetragen wurde, stießen die Arbeiter auf eine solche
Öffnung, die nach fachmännischem Urteil des Mundloch eines alten
Stollens von elliptischer Form, der sich ehemals hinzog bis zur
Wilhlemshöhe an der Paradestraße, also bis zur anderen Seite des
Berges. Dieser Gang war mit SCHLÄGEL UND EISEN getrieben, stammte
demnach aus einer Zeit, in der man die Sprengkraft des Pulvers im
Bergbau noch nicht zu verwerten verstand. Entwässert durch einen unter
ihm liegenden Stollen, war seine Sohle trocken ".
Als ich das
las, habe ich mich gefreut. Das ist wieder ein Beweis alter vergangener
Bergbaugeschichte der Stadt Wuppertal. Den Stollen kann man heute durch
Kellerräume der St. Petri-Gemeinde erreichen, sie sind aber nur einige
Meter tief. Vielleicht darf ich sie mir in Kürze mal selber anschauen.
Während des zweiten Weltkrieges diente dieser Stollen den Anwohnern Schutz, während der Bombenangriffen.
Die
Erzählungen und Legenden um diese "Höhle" die unter dem ganzen Berg
hindurchführt, haben sich bis heute unter den älteren
Stadtteilbewohnern erhalten.
Hier ein paar Fotos von den noch sichtbaren Relikten aus Beton, Fels und Stein:
hier die Eingangstür

Die St. Petri Gemeinde mit Zugang zum Gewölbe

Das könnte der ehemalige Luftschutzeingang gewesen sein

Felsenkellerzugänge von hinten

ein paar Löcher zum Belüften und eine Klappe im vermauerten Eingang

noch ein ehemaliger Zugang ?

über dem Eingang ragt ein gewaltiges Wurzelwerk

